Eine etwas andere Liebesgeschichte

‚Und ich sitz schon wieder barfuß am Klavier, ich träume Liebeslieder und sing dabei von dir.‘ .. dieses Lied, diese Band, DU!

Annenmaykantereit – Barfuß am Klavier

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Ich glaube es war der 14.12.2014. Schon so lange her, was? Der Tag hat für uns beide einiges verändert, da lernten wir uns kennen. Ich glaube du kannst dich sogar noch besser erinnern als ich. Wir haben erst vor kurzem drüber geredet, du wusstest sogar noch was deine ersten Sätze waren.. ich nicht mehr. Aber ich weiß noch, was ich damals fühlte. Wir lernten uns durch einen Zufall im Netz kennen, total ungeplant. Nicht auf irgendeiner Dating-Seite oder ähnlichem. Eigentlich passte es damals auch gar nicht für mich, aber plötzlich warst du da. Und es dauerte nur ein paar Tage und ich wusste: den magst du. Richtig. Richtig, richtig gerne! Wir haben uns so perfekt verstanden, uns gingen nie die Themen aus. Ewig lange Nachrichten, tagelang. Bis wir beschlossen das erste Mal zu telefonieren. Ich weiß noch, dass es ein Montag war. Und ich musste so schmunzeln, weil du dir so Sorgen wegen deiner Stimme machtest. Du hast bestimmt 3472373 Mal gesagt, dass du eine ziemliche Engelsstimme hast und der Stimmbruch wohl erst mit Mitte 30 bei dir kommt. Ich musste so sehr drüber lachen, da riefst du auch schon unerwartet nachmittags an. Ich werde nie vergessen, wie ich dich das erste Mal hörte. Tatsächlich war ich ein wenig von deiner Stimme überrascht, sie klang ganz anders als erwartet, dennoch gleich wunderschön und vertraut. Du warst so nervös, es war wirklich süß. Ich merkte es richtig. Ab da wurde der Kontakt noch intensiver. Wir telefonierten wirklich fast täglich und beschlossen schnell uns zu treffen. Im Januar sollte es soweit sein.

Ich ahnte am Morgen des Treffens schon etwas. Ein unbestimmtes Bauchgefühl. Darauf konnte ich mich schon immer verlassen und ich sollte recht behalten. Du meldetest dich erst nach zu vielen Nachrichten von mir, erzähltest was über einen Unfall von deinem Freund und du könntest nicht. Ich war super enttäuscht, traurig. Unheimlich traurig. Ich schrieb dir noch ein paar Mal. Dann schlief der Kontakt ein. Zum ersten Mal. Es war ein komisches Gefühl. Irgendwann meldetest du dich wieder. Es war nach circa zwei Wochen „Abstand“. Schnell fing es an, wieder so zu werden wie am Anfang. Viele Telefonate, noch mehr Nachrichten. Persönlichere Gespräche, es wurde immer vertrauter. Wir erfuhren immer mehr voneinander. Du erzähltest mir von deiner Vergangenheit, ich dir von meiner. Wie viele Parallelen wir feststellten, unglaublich. Es entstanden Gefühle. Viele. Bei beiden. Du warst der Erste, der es erwähnte. Ich weiß noch wie baff ich war. Wir beschlossen wieder uns zu Treffen. Und wieder sagtest du ab. Ich war so am Boden zerstört. Dieses Gefühl werde ich nie vergessen – sowas wie Liebeskummer, wegen einer Person, die ich gar nicht kannte. Ich wusste bis dato nicht, dass so etwas überhaupt möglich ist. Aber ja, anscheinend schon. Der Kontakt brach wieder ab. Natürlich nicht lange.

Ich hatte in den darauffolgenden Wochen meine Gedanken ganz woanders, ausnahmsweise war für dich kein Platz. Es passierte so viel in meinem Leben, irgendwann schrieb ich dir doch. Und natürlich antwortetest du. Immer. Wir konnten noch nie anders. Wir haben lange gesprochen, über deine Absage. Uns. Alles. Ich lud meine Sorgen, die zu dem Zeitpunkt sehr groß waren, bei dir ab. Du halfst mir sehr. Besonders, weil du mich verstandest. Du sagtest mir, du hättest einfach Angst gehabt. Ja, das verstand ich. Ich verstehe dich bis heute, bin ich doch nicht anders. Wir sprachen noch mehr, telefonierten wieder fast täglich. Du riefst immer an. Wir wollten uns wieder treffen. Ich weiß noch genau, dass es das Wochenende um den 13. bis 15.03.2015 war. Ich weiß nicht mehr, warum du nicht gekommen bist. Ich habe es vergessen, aber ich weiß noch ich war dankbar. Es hätte zu dem Zeitpunkt nicht gepasst. Es war das letzte Wochenende mit meiner Mama. Das wusste ich natürlich nicht, aber im Nachhinein war ich einfach nur dankbar bei ihr gewesen zu sein und nicht bei dir. Somit war ich dir für diese Absage eher dankbar als wütend. Wobei ich schon lange nicht mehr wütend wurde. Wieder hatten wir keinen Kontakt und irgendwas veränderte sich. War anders. Ich fing langsam an realistisch zu werden, mir ernsthafte Gedanken zu machen. Mich zu fragen, was ich möchte. Vieles störte mich. Ich war immer erreichbar für dich. Ich bin immer erreichbar für Menschen, die mir etwas bedeuten. Du warst für mich nur erreichbar, wenn du es wolltest. Es gefiel mir nicht. Und von Tag zu Tag wurde es mir klarer. Ich kapselte mich ab. Trotz all dieser riesigen Gefühle die dort für dich waren. Gefühle, die ich mir nicht erklären konnte. Ich löschte dich. Ganz einfach. Deine Nachrichten, mein Anrufprotokoll, deine Nummer und, weil ich keine halben Sachen mache, dich bei Facebook. Ich wollte nicht mehr!

Dann kam der erste April. Ein Tag vor einem für mich sehr dunklem Tag. Meine Gedanken waren überall, aber nicht bei dir. Irgendwie hatte ich das Gefühl auf mein Handy sehen zu müssen und plötzlich erschien dort deine Nummer. Ich hatte sie natürlich im Kopf, ich kenne sie bis heute. Ich ging ran, ich konnte nicht anders. Du fragtest vorsichtig wie es mir ginge und ich erzählte dir von den letzten Wochen. Du warst betroffen, ich merkte es. Es tat dir unheimlich leid. Schließlich wusstest du, was ich fühlte, durchmachte. Du verstandest alles. Wir fingen an, wieder Kontakt zu haben. Dieses Mal weniger. Ab und an Telefonate, die von dir ausgingen. Ich rief dich nicht an, wozu auch? Ab und an Nachrichten. Mal mehr, mal weniger. Es dauerte zwei Monate inklusive kleinerer Kontaktpausen, bis wir einen erneuten Anlauf wagen wollten. Ehrlich gesagt, habe ich von Anfang an nicht daran geglaubt. Ich nahm mir schon etwas anderes für die Tage vor. Wir zofften uns unfassbar doll. Das konnten wir immer gut. Ich löschte deine Nummer und gut war. Ich war durch, es war vorbei. Ich beschloss, dass es das war. Ich hoffte mich besser zu fühlen, tat es aber nicht. Tief in mir drinnen, war diese kleine Stimme. Sie flüsterte immer wieder „Er ist es, du weißt es.“, „Du möchtest doch niemand anderen.“. Ich ignorierte die Stimme. Ich wusste, dass sie recht hatte aber es war mir einfach egal. Die Zeit verging. Ab und an schriebst du. Manchmal antwortete ich dir und manchmal ignorierte ich dich. Ich wusste du guckst regelmäßig auf mein Facebook-Profil. Manchmal habe ich nur deshalb mein Bild geändert. Ich wollte dich aus der Reserve locken und es klappte recht gut. Loslassen konnte ich nie. Aber ich versuchte es eben so gut es ging.

Irgendwann kam der Winter und mit ihm ein Mann. Er war hier! Er war real! Er war nicht du, aber naja, es reichte. Anfänglich hatte ich starke Zweifel ob es richtig ist. Aber ich ignorierte sie und ging es ein. Wir kamen zusammen und es war okay. Und als ob du es ahntest meldetest du dich kurz nachdem wir es offiziell machten. Ich ging natürlich ran – mit einem schlechten Gewissen dem anderen Menschen gegenüber. Ich war ehrlich zu dir und erzählte dir von ihm. Du warst unfassbar wütend. Ich glaube, in dem Moment wurde dir bewusst, was du hast gehen lassen. Du sagtest, dass du mich unbedingt sehen müsstest. Du könntest ohne nicht abschließen. Es ginge nicht. Ich habe tagelang darüber nachgedacht und mich dagegen entschieden. Ich wusste ein Treffen wäre nicht gut und ich hatte Angst. Angst vor den Konsequenzen. Da war dieser Mensch, den ich mochte. Ich hatte Angst, vor der Situation. Davor ehrlich sein zu müssen, vor allem ehrlich mit mir – denn ich wusste, ich hätte immer dich gewählt.

Die Monate vergingen und kurz vor meinem Geburtstag schriebst du mir und fragtest, ob du anrufen dürftest. Mittlerweile herrschte in mir so viel Abstand zu dir, dass ich ja sagte und wir telefonierten. Du erzähltest, du hättest jemanden kennengelernt. Eine Kollegin. Ich freute mich für dich. Wir fingen an wieder etwas mehr Kontakt zu haben, sparodisch. Du gratuliertest mir sogar zum Geburtstag. Irgendwann erzähltest du, dass das mit der Kollegin nichts war, ihr seid einfach nur gute Freunde, du hättest im Urlaub aber jemanden kennengelernt. Es störte mich irgendwie..denn sie kam aus deiner Stadt. Du hattest viel an ihr zu nörgeln, das gab mir ein gutes Gefühl wo keins hätte sein sollen. Ich nahm wieder etwas mehr Abstand, schließlich war ich in einer Beziehung. Das Schicksal meinte es aber anders mit mir. Fünf Minuten nach der Trennung riefst du – warum auch immer, als hättest du es geahnt – an und ich heulte dich voll. So richtig. Ich habe förmlich mein Handy vollgeschnieft. Es war mir egal was du dachtest. Du erzähltest, dass du mit dieser Frau irgendwie zusammen seist. Es war mir egal, ich war mit mir beschäftigt und nahm mir das Recht raus. Ab und an telefonierten wir, irgendwann erzähltest du von einem Streit zwischen euch. Ich fand es lächerlich und machte es dir auch klar. Du reagierst so gerne über. Ich kenne dich schließlich ein wenig, du Dramaqueen. Du ignoriertest es und zogst dein Ding wie immer durch. In dem Fall gefiel es mir, weil du sie abgeschossen hast. Ich musste so lachen, wie du meintest „Ich habe ihr ihre Sachen per Post geschickt“. Ich dachte nur, dass das nicht dein Ernst sei.. aber so bist du eben. Immer ein wenig drüber. Temperamentvoll eben. Das komplette Gegenteil von mir.

Die Tage vergingen, der Kontakt wurde mehr. Wir telefoniert wieder regelmäßig. Schickten uns Nachrichten. Deine voller Liebe, meine zurückhaltend. Ich habe dir ehrlich gesagt, wie es für mich aussieht. Das ich alles so nicht mehr könne, zu viel zwischen uns war. Zu viel Theater. Du akzeptiertest und verstandest es und trotzdem bekamen wir uns irgendwann in die Haare. Just as usual sozusagen. Da waren wir perfekt drin. Streiten wie ein Paar, ohne eins zu sein. Wobei nein. Irgendwie waren wir eins. Schon die letzten 1,5 Jahre. Es kam danach wieder mal dein „Lassen wir das, hau rein!“ Ich sage ja, du bist immer ein wenig drüber. Mir war es egal, ich wusste ja du meintest es nicht so. Und meine Gefühle für dich liefen zu dem Zeitpunkt auf Sparflamme. Dann passierte hier etwas. Wieder ein Todesfall. Ich war schockiert und betroffen. Aus Gewohnheit schrieb ich dir. Du riefst an.

Es veränderte sich etwas. Ich merkte es schleichend. Du hast dich verändert. Plötzlich. Du warst für mich erreichbar. Du sagtest Dinge, die mich überraschten und das obwohl du eigentlich wie ein offenes Buch für mich bist. Wir entdeckten Sprachnachrichten für uns, denn ich war im Ausland und wir konnten nicht telefonieren. Die Nachrichten wurden persönlicher. Sehr persönlich. Gefühle kamen wieder. Gefühle, die ich verschlossen halten wollte. Es klappte mal so gar nicht. Ich fing an wieder zu grinsen, wenn ich deinen Namen auf meinem Bildschirm sah. Ich fing an dich ein wenig zu provozieren, aber du bliebst. Du bist nicht gelaufen. Du zogst es durch. Es überraschte mich so sehr. Wir zofften uns weiterhin regelmäßig und jedes Mal erwartete ein kleiner Teil von mir, dass du gleich wieder läufst – aber du bliebst. Nach einer kleinen Diskussion, die von mir ausging, kam nichts mehr von dir. Du warst im Ausland und es nervte mich. Dein Empfang war nicht der Beste und ich dachte es wäre wieder durch, wie immer eben. Und dann bekam ich doch eine Nachricht. Ich hatte Angst sie zu öffnen, Angst dass du wieder alles beendest bevor es begann. Aber nein. Du hast so viel geschrieben, so viel Liebes. Du riefst mich vom anderen Ende der Welt an und sagtest mir, dass du mich liebst. Ich war so baff. Du hast gesagt, du wusstest es beim ersten Klang meiner Stimme. Damals, Ende 2014. Du fandest es nur zu unfassbar, zu utopisch. Wie kann man jemanden lieben, den man nie gesehen hat? Ich war sprachlos. Aber ich wusste meine Antwort sofort. Ich liebte dich auch.

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So viel mehr was ich noch schreiben könnte. So viel mehr was noch passierte, viele schöne und viele weniger schöne Momente. Wir haben gelacht, geweint, uns gezofft und wieder versöhnt. Ich habe immer auf DAS Ende für diesen Post gewartet, aber bisher kam es nicht und deshalb bleibt das Ende offen. Vielleicht finden wir uns, vielleicht schaffen wir es irgendwann. Vielleicht gehen wir 2017 für immer getrennte Wege. Vielleicht im nächsten Leben eben. Ich kann es nicht sagen ..

 

12 Kommentare

  1. Ist ja echt eine spannende Geschichte. Man möchte so gern wissen wie es weitergeht.Manchmal gibt es so glückliche Zufälle.Ich finde man muss es einfach ausprobieren auch wenn man vielleicht angst hat,verletzt zu werden.

  2. Liebe Lea,
    Ich bin durch Instagram auf diesen Post gestossen und bekam nach jeder Zeile immer mehr Gänsehaut – ich bin total baff, da ich fast dasselbe erlebt habe.
    Ich wünsche euch viel Glück und dir viel Kraft. Vielen Dank für’s teilen. Gib alles nur nicht auf! *dich drück*

  3. Hallo Liebes,
    das ist wirklich herzzerreißend… ich wünsche dir Klarheit und dass ihr eine Entscheidung treffen könnt, wie es mit euch weitergeht.
    Liebe Grüße
    Claudia (suessehummel)

  4. Liebe Lea,
    wenn auch etwas spät aber egal. Dieser Post hat bei mir absolute Gänsehaut ausgelöst. Ich bin geflasht. Wahnsinns Geschichte. Ich selbst habe so etwas ähnliches auch erlebt. Einen Mensch getroffen, ohne den es nicht geht. Mit aber irgendwie auch nicht so richtig. Wer weiß was 2017 passieren wird. Ich bin gespannt darauf wie es weiter geht. Ich wünsch dir alles alles Liebe und bleib so wie du bist 💕 Liebste Grüße Saskia

    1. Vielen lieben Dank, Saskia! 🙂
      Ich bin auch gespannt, was 2017 alles zu bieten hat – lassen wir uns überraschen.
      Danke für deine Worte.
      Liebe Grüße

  5. Hallo Lea

    Eigentlich habe ich via Google bloss nach einem Rezept gesucht… Da bin ich plötzlich bei dieser Geschichte gelandet, welche mich sehr berührt und worin ich auch Teile von mir selbst wiederfinde.

    Vielleicht magst du ja bald einmal berichten, wie es nach dem Liebesgeständnis weitergegangen ist.

    Eine besondere Seelenbegegnung, die du da erfahren durftest. Ich wünsche dir sehr, dass – egal was passiert – dein Herz nicht zerbricht und du happy sein kannst.

    Liäbi Grüessli us dä Schwiiz 🙂

    1. Hallo Felicitas,
      vielen Dank. Da musste ich gerade schmunzeln, dass man auf der Suche nach Rezepten auf diese Geschichte stößt. Manchmal ist das Internet herrlich.
      Wenn es etwas zu berichten geht oder diese Geschichte weitergeht werde ich sicherlich nochmal darüber schreiben 🙂.
      Vielen lieben Dank für deine Worte!
      Liebe Grüße in die Schweiz

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